
So macht man sich halt auf den Weg.

So macht man sich halt auf den Weg.
Google wird 10. Aus diesem Anlass hat die New York Times mit CEO Eric E. Schmidt gesprochen. Gleich zu Beginn eine Irritation für mich:
Google ist besser als andere Werbefirmen für eine Rezession gerüstet.
Das sagt nicht Schmidt, sondern der redaktionelle Einstiegstext. Hmm: Google eine Werbefirma? Doch ein One-Trick-Pony?
Heute wäre meine Oma 120 Jahre alt geworden. Das wären ganz schön viele Kerzen auf der Torte! Leider sind es bei ihr nur 78 geworden.
Aber unsere 5 gemeinsamen Jahre haben gereicht, mir Selbstvertrauen und Liebe zu geben, die bis heute strahlen. Sie hat mir Radfahren und Platt-Schacken beigebracht, hat mich geduldig mit zum Einkaufen genommen (sogar bis nach Bremen), hat mir vorgelesen und vorgesungen.
Danke Oma! Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Jeff Jarvis postet aus Dubai und fragt, wie eine Welt aussehen würde, deren Reichtum und Werte sich auf Daten anstatt Erdöl gründen würde. Er ist der Auffassung, dass diese Welt anders aussehen würde als das moderne Dubai.
In Europa hatten wir schon einmal eine Gesellschaft, die sich auf Daten – auf schriftlich fixierte Information – gründete. Im Zeitalter der Scholastik war die Hauptbeschäftigung der Intellektuellen, die Bibel und Aristoteles „richtig“ auszulegen – oder verborgene Informationen aufzuspüren.
Das korrespondierend Gebäude zum Burj al Arab wäre dann ungefähr Notre Dame de Paris.
Der Vergleich zeigt, wie sehr wir im kapitalistischen Paradigma stecken, denn die Werte der scholastischen Gesellschaft waren andere als die, die für uns heute frag- und alternativlos sind.
Ausschließeritis – wieder mal ein neues Wort gelernt. Heute vom hessischen Grünen-Chef Tarek Al-Wazir via Spiegel-Online.
Der Fehler in Hessen war, dass vor der Wahl Frau Ypsilanti kategorisch die Koalition mit der Linken ausgeschlossen hat – darum wollte Al-Wazir nicht jede Koalition mit der SPD für alle Zeit ausschließen.
Die Ausschließeritis ist in einer Demokratie eine schwierige Krankheit – weil man im Zusammenleben mit anderen Menschen immer Kompromisse machen muss. Es gehört zur Reifung dazu, zu erkennen, dass man bestimmte Dinge nur im Kuhhandel erreichen kann. Die Frage ist dann immer: ab wann verkauft man seine Identität – sich selbst?
Vor einigen Jahren bin ich aus der SPD ausgetreten, weil ich die Linie des damaligen Vorsitzenden Lafontaine nicht vertreten konnte. Ein (Ex-)Genosse sagte damals zu mir:
Aber darum tritt man doch nicht aus! Mensch, wenn ich 70% von dem, was meine Partei macht gut finden würde – dann wäre ich ein glücklicher Mensch! So ist die Welt doch nicht!
Ich bin bis heute nicht wieder eingetreten – auch in die Kirche nicht. Manchmal bin ich froh darüber oder denke: „Wenn ich noch nicht ausgetreten wäre, dann würde ich es jetzt tun.“
Aber was gestalte ich in der Gemeinschaft, in der ich lebe? Wo übernehme ich Verantwortung?
Hmm: diese Ausschließeritis!
Wenn mir etwas Schweres oder Unangenehmes bevorsteht – oder auch wenn ich auf dem Zahnarztstuhl sitze und es gerade richtig weh tut, dann rufe ich mir die Piloten-Weisheit in den Kopf:
Runter kommt man immer.
Für mich hat das etwas beruhigendes. Heutzutage stelle ich mir als Piloten Harrison Ford vor, einen coolen, starken Mann in einem Hollywood-Schinken und es ist klar: zum Schluss gibt es ein Happy-End für ihn.
Jede Situation hat ein Ende. Alles ist irgendwann vorbei. Bei manchen Sitationen ist das Schade – bei manchen ist es ein Trost. Und für mich ist es ein Trost, immer auf de Erde, vielleicht kann ich auch sagen: in der Schöpfung zu sein.
Als Kind war es für mich der absolute Horror mir vorzustellen, als Astronaut in den Weiten des Weltraums verloren zu sein (es fanden gerade die Apollo-Flüge statt). Und ich dachte mir: „Detlef, es ist doch egal, ob du auf der Erde tot bist oder im Weltall.“ – Nee, nee: das ist nicht egal!
Das beschreibt auch Heinrich Heine:
Wo wird einst des Wandermüden
Letzte Ruhestätte sein?
Unter Palmen in dem Süden?
Unter Linden an dem Rhein?Werd ich wo in einer Wüste
Eingescharrt von fremder Hand?
Oder ruh ich an der Küste
Eines Meeres in dem Sand?Immerhin! Mich wird umgeben
Gottes Himmel, dort wie hier,
Und als Totenlampen schweben
Nachts die Sterne über mir.
Dieses Gedicht habe ich hier vertont.
Bonifikation. Wow! Wieder ein neues Wort gelernt!
Für die Bankmanger gibt es in 2008 und 2009 keine Bonifikationen.
Warum erinnert mich das an Pippi Langstrumpf? Ach ja: Lustifikation. Heißt es da nicht irgendwo, dass Lustifikation in der Schule ein Hauptfach sein sollte?
Tja: mit den –fikationen: das ist schon eine feine Sache. Und traurig, traurig, wenn sie ausfallen.
Montag Morgen klingelt um 5 Uhr der Wecker und du denkst, das kann doch jetzt nicht sein. Und während du deinen Espresso mit Milch schlürfst (Aahhh) denkst du an Fiddi Nietzsche:
Singt mir nun selber das Lied, des Name ist »Noch ein Mal«, des Sinn ist »in alle Ewigkeit!«, singt …
Oh Mensch! Gib Acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
Ich schlief, ich schlief,
aus tiefem Traum bin ich erwacht:
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh,
Lust – tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit
will tiefe, tiefe Ewigkeit!(Nietzsche, Also sprach Zarathustra, Das Nachtwandler-Lied)
Will tiefe, tiefe Ewigkeit: doch nun ist der Espresso leider alle.
Habe gerade den überaus lehrreichen Post „Fragen machen schlau“ gelesen und bringe ihn für mich auf diese vielleicht etwas platte Formel: Entwicklung statt Dressur.
Da gibt es eine Nähe zu meinem Fehlerlied: „Fehler machen schlau„. Auch dort geht es darum, dass Kinder selbstständig Erfahrungen machen, ohne notwendigerweise Erwartungen Erwachsener zu erfüllen.Vielleicht komme ich auf den Befriff „Dressur“, weil meine Klassenlehrerin ihn zur Beschreibung ihrer Tätigkeit verwendete. Aus irgendeinem Grund erzählte sie von ihrer Schwester. Meine Mitschülerin Andrea meldete sich.
„Ja, Andrea?“
„Ist ihre Schwester auch Lehrerin?“
„Die wird den Teufel tun und fremder Leute Kinder dressieren!“
Ich kam mir vor wie das Hündchen im Zirkus, das durch den Ring springen sollte. Ach, wie gern wäre ich damals durch den Ring gesprungen! Ich war allerdings nicht gelehrig genug.