Bonifikation – Lustifikation

Bonifikation. Wow! Wieder ein neues Wort gelernt!

Für die Bankmanger gibt es in 2008 und 2009 keine Bonifikationen.

Warum erinnert mich das an Pippi Langstrumpf? Ach ja: Lustifikation. Heißt es da nicht irgendwo, dass Lustifikation in der Schule ein Hauptfach sein sollte?

Tja: mit den –fikationen: das ist schon eine feine Sache. Und traurig, traurig, wenn sie ausfallen.

Montag Morgen

Montag Morgen klingelt um 5 Uhr der Wecker und du denkst, das kann doch jetzt nicht sein. Und während du deinen Espresso mit Milch schlürfst (Aahhh) denkst du an Fiddi Nietzsche:

Singt mir nun selber das Lied, des Name ist »Noch ein Mal«, des Sinn ist »in alle Ewigkeit!«, singt …

Oh Mensch! Gib Acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
Ich schlief, ich schlief,
aus tiefem Traum bin ich erwacht:
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh,
Lust – tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit
will tiefe, tiefe Ewigkeit!

(Nietzsche, Also sprach Zarathustra, Das Nachtwandler-Lied)

Will tiefe, tiefe Ewigkeit: doch nun ist der Espresso leider alle.

Entwicklung statt Dressur

Habe gerade den überaus lehrreichen Post „Fragen machen schlau“ gelesen und bringe ihn für mich auf diese vielleicht etwas platte Formel: Entwicklung statt Dressur.

Da gibt es eine Nähe zu meinem Fehlerlied: „Fehler machen schlau„. Auch dort geht es darum, dass Kinder selbstständig Erfahrungen machen, ohne notwendigerweise Erwartungen Erwachsener zu erfüllen.Vielleicht komme ich auf den Befriff „Dressur“, weil meine Klassenlehrerin ihn zur Beschreibung ihrer Tätigkeit verwendete. Aus irgendeinem Grund erzählte sie von ihrer Schwester. Meine Mitschülerin Andrea meldete sich.

„Ja, Andrea?“

„Ist ihre Schwester auch Lehrerin?“

„Die wird den Teufel tun und fremder Leute Kinder dressieren!“

Ich kam mir vor wie das Hündchen im Zirkus, das durch den Ring springen sollte. Ach, wie gern wäre ich damals durch den Ring gesprungen! Ich war allerdings nicht gelehrig genug.

Tempo 30 Zone

Wir wohnen in einer Tempo 30 Zone. Hallelujah! Schnurgerade Einbahnstraße, asphaltiert, ca. 100 Meter lang. Und wer hält sich dran? Und wer kontrolliert, ob sich jemand dran hält? Siehste!

Gestern wäre es fast zum Super-GAU gekommen. Papa kommt per PKW mit knapp 2jährigem vom Einkaufen, hat mit Glück einen Parkplatz vor dem Haus ergattert und beschäftigt sich einige SEKUNDEN mit den Einkaufstüten. Da läuft das Kind zwischen den parkenden Autos auf die Straße. Und man hört schon, wie jemand herangerast kommt. Papa schreit, lässt die Tüten fallen, kann das Kind aber nicht mehr erreichen.

Der Autofahrer sieht das Kind zwischen den parkenden Autos hervorlaufen. Was macht er? Eine Vollbremsung mit quietschenden Reifen? Oder, weil er merkt, dass er nicht mehr bremsen kann: lenkt er seinen Wagen in die parkenden Autos? Nein: Er hupt. „Tüt, tüt. Ich hab doch Vorfahrt!“

Und: oh Wunder! Das Kind bleibt stehen. Es muss sich jetzt eine Standpauke von Papa anhören, dessen Adrenalinspiegel in 2 Sekunden von 0 auf 5000 geschnellt ist.

Der Autofahrer rast vorbei und schüttelt den Kopf: „Kann der nicht besser auf sein Kind aufpassen? Verantwortungslose Väter halt.“

Was sollste dazu sagen? Ich glaube, Worte allein genügen nicht.

Reformationstag

Auch im evangelischen Kindergarten wird heute Halloween gefeiert: „Süßes oder Saures!“ – Ich wundere mich, dass mich das stört, denn ich bin vor 20 Jahren aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Damals brachte die Haltung der Kirche zur Homosexualität das Fass zum überlaufen.

Trotzdem ist für mich heute Reformationstag und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man beides zusammen feiern kann.

Vielleicht ist es, weil gerade so viel um uns herum zusammenbricht, dass ich gucke: in was für einer Gemeinschaft leben wir hier eigentlich? Denn das tun wir, ob’s uns nun gefällt wie es gerade läuft oder nicht.

Herbstblumen aus Hamburg

Letzten Samstag ging es mir richtig mies. Die Sonne schien, aber meine Liebste war nicht da und ich wusste nichts mit mir anzufangen.

Schließlich machte ich mich auf den Weg, kaufte mir im Riesensupermarkt eine viel zu teure Zigarre, besuchte dann im Musikgeschäft meines Vertrauens die Toilette, um ungestört in Planten un Blomen eine zu rauchen. Bei Kummer, Sorgen und Missstimmung hilft bei mir eine Zigarre.

Eine Bank in der Sonne war noch frei, ich genoss in vollen Zügen die Wärme und die Zigarre und wurde allmählich wieder Mensch.

Da kam eine Familie vorbei, wahrscheinlich Touristen. Mama allein vorneweg mit dem Rucksack, Papa mit 3 Töchtern hinterher: diese Konstellation verhieß schon nichts Gutes. Ich schätze, die Mädchen waren 11, 8 und 5 Jahre alt – und sie  waren nicht amüsiert: Sightseeing in Hamburg? Boooh!

Papa machte gerade einen Vorschlag: „Wir machen mal ein Spiel: Welche Blumen blühen denn noch im Herbst? Wer mir die erste blühende Blume zeigt hat gewonnen.“

Weil wir uns vor einem Rosenbeet befanden, das wunderschön rot, rosa und weiß im Herbstwind wogte, von den 3 jungen Damen aber keinerlei Reaktion kam, gehe ich davon aus, dass der Vorschlag nicht so gut angekommen ist.

Aber ich dachte: „Mensch, das ist doch mal eine tolle Idee!“, machte mich mit der Kamera auf den Weg und filmte Blumen im Herbst. Daraus sind der Film und das Lied „Im Herbst sind die Blumen so müde“ entstanden.

Danke Papa! Ich hoffe, ihr hattet noch einen schönen Tag.

Angst

Die Fähigkeit, Angst zu haben ist tief in uns Menschen verankert. Angst leistet uns gute Dienste, wenn sie uns hilft, Situationen zu meiden oder zu fliehen, die gefährlich für uns sind.

Ich habe gerade mal bei Wikipedia nachgeschaut: Seit 160.000 Jahren gibt es uns. Die ersten 159.500 waren bestimmt nicht einfach: Hunger, Kälte, wilde Tiere (Monster) … Versteck dich! Hau ab! Greif an! Das ist tief in unsere Seele programmiert.

Seit sich die Welt verändert hat steht uns die Angst oft im Weg. Keine Wölfe, die Finanzmarktkrise treibt uns aus unserer Höhle. Wir sind nicht mehr im Urwald, aber die Urwald-Angst: die ist noch da. Wie ein Tier in einem Zoo, das unsinnige Verhaltensmuster im Käfig weiterführt.

Wie Sisyphos (Wikipedia), der den ganzen Tag seinen Stein rollt und darum nicht an den Sinn des Lebens oder den Tod zu denken braucht. Dieser Gedanke kam mir bei Xenias Post.

Oder wie Kinder, die im Dunklen Gespenster und Monster sehen. Ich kann mich an diese Zeit noch gut erinnern: Die waren da, die fürchterlichen Fratzen und Hände, die nach mir griffen. Bis Mama oder Papa kamen, das Licht anmachten, unter das Bett guckten und sagten: „Alles in Ordnung.“

Ich finde Amis Post sehr rührend, wo sie beschreibt, wie sie Rituale erfindet, um der Angst ihres Sohnes zu begegnen, die Monster aus dem Fenster zu werfen. Seien wir doch nett zu dem Teil von uns, der schon so uralt ist und uns durch die Jahrtausende so gut gedient hat!

Und wie immer man zu Halloween stehen mag („das ist doch unser Re-for-ma-tions-tag!“): eine gute Gelegenheit sich mit unserer alten Begleiterin auf guten Fuß zu stellen.